Premiere: Same Same But Different

Boje / Buck

Boje / Buck

Was soll ich sagen? Same Same but different hat mich tief berührt. Allerdings rührt dieses Gefühl eher daher, dass ich mich wie blöd auf die Premiere gefreut habe, nun aber ein durchaus bemerkenswertes Gefühl der Leere verspüre.

Sorry, aber Same Same but different ist Same Same but Same. Und die Ursache dafür ist nur in einem schwülstig klingenden Filmkritikersatz zu beschreiben: die Filmemacher hatten keinerlei Distanz zu ihrem Werk. Umso distanzierter präsentiert sich der Film dem Zuschauer. Will sagen: die Story ist natürlich ergreifend und wunderschön, aber sie ist aalglatt. Und ich gebe zu: von Jemandem, der “Wir können auch anders” gemacht hat, hätte ich mehr erwartet. Dabei kann man Buck das nicht verübeln: die Filmemacher hatten so verdammt viel Liebe für ihre Protagonisten (nicht die Schauspieler, das echte Pärchen), soviel Gefühl für Kambodscha, für Bilder und Farben, dass sie den Zuschauer vergessen haben.

Dieser Film ist, und es tut mir leid, wenn das zu hart klingt, ein Film für die Filmemacher, nicht für das Publikum. Ich dachte in der Szene, als der Elefant durchs Minenfeld stampft (und jetzt, wo ich das schreibe, klingt selbst das platt und pathetisch): das wird gut! Aber leider war diese Szene der einzige wirklich kreative Einfall des Films.

Und das Schlimme dabei: man denkt, man wäre ein schlechter Mensch, wenn man das so sieht. Weil, hey: hier gibt es doch Schicksale zu beweinen, zu beklagen und mitzufühlen! Aber leider lässt einem der Film keine Möglichkeit, das zu tun. Ist das Leben in Kambodscha, das für eine Frau heißt, “sie kann sich Liebe nicht leisten”, wirklich nur: mit leerem Blick zum Freier schauen und dann das Geld ins Dekolleté stecken? Und der Freier, der sich abgelehnt fühlt, fragt: “Soll ich brutal werden?” That’s it? Nein verdammt, das ist es nicht. Warum wurden keine wirklichen Abgründe gezeigt? Wegen der zarten Untertöne? Falsche Philosophie! Den Mädels dort geht es NICHT GUT und gerne darf das gezeigt werden. Gerne!

Und um nicht als feministisch verblendet zu gelten: was ist mit dem Hauptdarsteller? Der in Deutschland sitzt, ernsthaft verliebt ist, Geld schickt und dann doch erfahren muss, dass die Frau weiter auf den Strich geht? Natürlich könnte man seine Leidenschaftlosigkeit als Verständnis für ihre Situation interpretieren und möglicherweise war das auch im wahren Leben genau der Fall. Doch ein bisschen mehr Emotion hätte dem Darsteller nicht geschadet. Sorry, jedem Darsteller.

Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg wirklich in der Distanz: ein Stanley Kubrick, der einen mathematisch präzisen und eiskalten Regiestil hatte (dem man selbst in seinem letzen Werk, Eyes wide Shut, nicht die Emotion abgenommen hat), konnte etwas hervorbringen wie Full Metal Jacket. Shining. Warum? Weil er distanziert war.

Und wenn jetzt irgendjemand aufschreit, weil ich einen deutschen Film mit einem Kubrick-Film vergleiche: warum nicht? Warum sollten für deutsche Filme andere Maßstäbe gelten? Deutsche Filme können grandios sein! Ein Beispiel: Wir können auch anders. Regie: Detlev Buck.

Same Same But Different, 2009
Regie: Detlev Buck
Darsteller: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Jens Harzer

Nachtrag: So. Am Morgen nach der Premierenfeier (die übrigens durchaus Spaß gemacht hat) kommt mir die Kritik doch etwas hart vor… aber egal, man sollte schreiben, was man wirklich gefühlt hat, als der Eindruck noch frisch war! Nichts desto trotz möchte ich noch denjenigen danken, die mich überhaupt erst in den Film und auf die Feier gebracht haben: vielen Dank an MarcoPolo und ihr Gewinnspiel – wie gesagt: Spaß gemacht hat’s trotzdem :-)

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One Response to “Premiere: Same Same But Different”

  1. Cenobyte sagt:

    Schade. Die Beschreibung hatte sich ganz gut angehört. Da sich aus dem Beitrag erlesen lässt, dass du dich mit der Materie auch ganz gut auskennst, bescheinige ich dir einfach mal Urteilsvermögen. Sprich: Auf DVD werd ich ihn mir angucken. Im Kino wohl eher nicht.

    Cheerio,
    Timmay!
    (@WBCenobyte)

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